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ZAP(HK) / EFUN LIPO45, 72 Volt Elektroroller mit 3.000 Watt und Li-ion Akku

Schön, dass Reinhard dieses Forum gegründet hat.
Da kann ich mal etwas über mein neuestes Spielzeug plaudern.

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Exclusiv für die real,- Märkte hat man diesem E-Roller den komplizierten Namen ecomobility Green World LIPO45 gegeben. Dahinter steckt der Hersteller ZAP aus HongKong mit einer Handelsvertretung in Sevilla.

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LIPO45 ist der Name des 2-sitzigen und 45km/h schnellen E-Rollers aus dem Jahr 2018.
Er wurde durch den LIPO 3.000 abgelöst, dem ein 85km/h schneller LIPO 5.000 zur Seite steht.

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Die UVP für den 45er betrug 2.399€. Im Markt wurde er im Juni 2019 für 1.799€ offeriert.

Dafür gibt es einen flotten 2-sitzigen 12Zoll bereiften Stadtflitzer mit einem kräftigen 3.000 Watt Radnabenheckmotor und einem herausnehmbaren 1,8 kWh Li-ionen Akku, der für bis zu 80 Kilometer Reichweite sorgen soll.

Die Nennspannung wird mit 72 Volt angegeben.
Voll aufgeladen (Ca. 7 Stunden dauert eine Komplettladung) zeigt die Anzeige im Cockpit 84 Volt an (das entspricht 2,1kWh im 12,9 kg schweren Li-Ionen Akku).

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Und solange die Spannung nicht unter 78 Volt sinkt, marschiert der blau lackierte E-Roller laut Tachometer mit überraschenden 57 km/h durch das Städtchen.
Zweifelsohne ein Sicherheitsgewinn, da nun niemand mehr versucht, das behindernde Zweirad beiseite zu drängen und zu überholen.
Aber was würden die Cops dazu sagen? Von meiner Seite liegt schließlich keinerlei Manipulation vor. Die rasende Fahrt verläuft also serienmäßig. Sie ist allerdings nicht von langer Dauer.
Nach ca. 10 Kilometern liegen nur noch 78 Volt an. Dann ist bei 51 km/h Tachoanzeige Schluß.
Der "Exponentialbereich" wurde verlassen. Zwischen 78 und 65 Volt befindet sich der "Nominalbereich".
Unter 72 Volt wird die Geschwindigkeit deutlich reduziert. Unter 65 Volt wird der Motor deaktiviert.

Der Akku findet seinen Aufenthaltsort unter der Sitzbank. Hier wird er satt und somit klapperfrei in einen "tiefen" Schacht hinabgelassen. Darüber könnte man das 300W /4A Ladegerät zur Mitnahme verstauen.

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Ein Integralhelm findet im serienmäßig angebrachten, leider klappernden, Topcase Platz.
Für den auf dem eigentlichen Gepäckträger aufgeschraubten Zusatzstauraum benötigt man zum Öffnen einen Extraschlüssel.

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Der mit Akku 98 Kilogramm schwere und 1,90 mtr lange E-Roller läßt sich überraschend komfortabel fahren. Die Zuladung liegt bei ca. 156 kg.

Er zieht schnell los, rollt weich ab und ist bis auf das klappernde Top-Case sehr leise.

Er verzögert allerdings gewöhnungsbedürftig brutal.
Neben den beiden 220 mm Scheibenbremsen greift die ungewohnte Motorbremse (Rekuperation) so heftig in den Bremsvorgang ein, daß ich ungeübten Zweiradfahrern dieses Fahrzeug nicht empfehlen kann. Die richtige Dosierung will erlernt werden.
Auf der anderen Seite befand ich mich mittlerweile zwei Mal in der Situation, dass die Rekuperation unvermittelt beendet wurde und die von mir über die Bremshebel eingeleitete Bremskraft nicht ausreichend hoch war. Damit rechnet niemand. Nur durch ein schnelles Reagieren konnte Schlimmeres verhindert werden.

Der Roller sieht schick aus, aber er könnte schöner sein.
Die vorderen Blinker sehen aus wie nachträglich an den Lenker 'drangebastelt.
Im Scheinwerfergehäuse wäre für sie ausreichend Platz. Da befanden sie sich wohl auch mal.
Alle 4 vorhandenen Steckplätze sind durch permanent leuchtendes "elektrisches Obst" bestückt.
4 altertümliche Glühbirnen in einem modernen E-Roller. Dabei gibt es nur Abblendlicht und Fernlicht (kein schaltbares Standlicht).

Der Blinkerschalter ist fummelig und etwas schwergängig. Deshalb mag ich ihn gar nicht bedienen.
Eine nicht dokumentierte Funktion habe ich entdeckt: Der E-Roller hat Warnblinklicht.
Den Blinkerschalter erst in die eine und dann in die andere Richtung drücken. Die Blinker hören erst auf zu Blinken, wenn man in Mittelstellung auf den Schalter drückt.

Das Bremslicht ist sehr hell.

Viel bin ich noch nicht gefahren.
Denn meistens nutze ich das Pedelec. Das erscheint mir für unsere "kleine" Stadt zweckmäßiger (und gesünder sowieso).
Ich kenne halt alle Abkürzungen, die ich aber zumeist nicht mit dem E-Roller nutzen darf.
Ich brauche keinen Helm und keine andere Sicherheitskleidung auf dem Pedelec.

Der E-Roller befindet sich bei mir noch in der Erprobungsphase.

Ich schätze das schnelle Bereitsein
und die lautlose saubere Art der Fortbewegung (Schlüssel umdrehen - lautlos davonziehen).
Auf einsamen Landstraßen wird man vom Zwitschern der Vögel begleitet.

Leider verrinnen hier die nutzbaren Kilometer sehr schnell und ein Wiederauffüllen neuer Energie dauert wesentlich länger als ein kurzer Zwischenstop des benzingetriebenen Pendants an der Zapfsäule. Und mit dem Pedelec könnte ich meine Reichweite bis zur Erschöpfung meines persönlichen Akkus ausweiten.
Die Nutzungsmöglichkeit ist beim E-Roller also eingeschränkter, obwohl bei diesem Exemplar mit bis zu 80 Kilometern für innerorts eigentlich ausreichend.

Obendrein ist der E-Roller äußerst kostengünstig.
Der Anschaffungspreis für den LIPO45 war ein Witz, wenn ich sehe wieviel andere Hersteller für ihre Produkte nehmen.
Ich habe gerade die ADAC Motorwelt 07/08 2019 vor mir liegen.
7 E-Roller werden darin beschrieben.
Der Günstigste kostet 2.300 €.
4 Exemplare aus dem Vergleich kosten 5.000 € und mehr.

Für die Versicherung bezahle ich inclusive TK ca. 6€ im Monat.
Kleiner Tip: Nicht nur beim Verkauf, auch wenn man z.B. ab dem Winter nicht mehr fahren möchte, kann man das Versicherungskennzeichen zurückgeben und bekommt den Beitrag für die nicht genutzten Monate zurück.
(Das hat mir zumindest mein Versicherungsvertreter erzählt.)

Ich rechne mit ca. 1€ Stromkosten auf 100 Kilometern.

Der TÜV ist kein Thema - Steuern sowieso nicht.

Die Wartung beschränkt sich auf die Überprufung von Bremsflüssigkeit, Bremsscheiben und Bremsbelägen,
Reifendruck und -zustand,
Lager- und Achsenzustand.

Auf den EFUN LIPO45 gibt es eine Gewährleistung von 2 Jahren bzw. 30.000 km.
Auf den Akku sogar von 3 Jahren. Ihm wird vom Hersteller eine Lebensdauer von ca. 1.200 Ladezyklen prognostiziert. Sein Neupreis liegt bei ca. 800 €uro.

Sollte ich den kleinen Stadtflitzer behalten, werde ich hier weiterhin berichten.

(ohne Topcase herrlich leise)

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Der E-Roller wird in Österreich unter dem Namen BIMIE Sorriso angeboten.

Nun weiß ich endlich, dass er in "Nachtblau" lackiert ist.
Dort gibt es ihn auch in weiß und mit verschiedenen Akkugrößen sowie anderen Motorisierungen.

Die Preise beginnen ab 2.549 €. (ohne Topcase)

Ich hatte ganz vergessen zu erwähnen, dass man mit dem LIPO45 auch rückwärts fahren kann.
Da kommt echtes Gold-Wing Feeling auf ;) .
 
In einem anderen Forum hat ein BIMIE Händler aus dem Nähkästchen geplaudert.

Die Österreicher ordern ihre Roller bei XIAMEN EFUN mit einigen Änderungen gegenüber z.B. dem EFUN LIPO vom real.
Die Sorrisos werden einzeln gecheckt und auf bekannte mögliche Schwachstellen überprüft, die, falls vorhanden, abgestellt werden.

Ein Gimmick an den BIMIEs ist der programmierbare Controler.

Du kannst Dir also einen kostengünstigeren 70 km/h E Roller in weiß aus dieser Liste ordern, Reinhard.
Die 90 km/h werden sozusagen kostenlos nachgereicht.

Meine Erfahrungen mit der äußerst heftigen Bremswirkung aufgrund der Rekuperation haben übrigens auch andere LIPO Fahrer gemacht.

Einige haben den E Roller umgehend zum real,- zurückgebracht und den Kaufpreis erstattet bekommen.

Andere haben die Rekuperation stillgelegt.

Strom wird eh nur sehr wenig mit Hilfe der Bremsen erzeugt.
Der Bremsbelag wird nun zwar etwas schneller abgefahren sein, aber das Sicherheitsgefühl wurde wohl ungemein gesteigert.

Hier noch ein kurzes Video zum Roller von ECOMOBILITY auf YouTube.
 
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